Mittwoch, 1. April 2009 17:53
Zu einem Meinungsaustausch kamen am vergangenen Montag SPD-Gemeinderäte aus Gaggenau, Kuppenheim und Bischweier im Gaggenauer Rathaus zusammen.
Hintergrund des Treffens: Das angespannte (schlechte) politische Klima zwischen Kuppenheim und Gaggenau bzw. zwischen Bischweier und Gaggenau.
Nur über den gemeinsamen Dialog lassen sich die derzeit verkrampften interkommunalen Beziehungen lockern. „Wenn wir ein gut funktionierendes Verhältnis zu unseren Nachbarn haben wollen, dann müssen wir mehr miteinander als übereinander reden“, so der Gaggenauer SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Goll. „Vor Gericht lassen sich keine gut nachbarschaftlichen Verhältnisse erstreiten.“
Wir wollen alle gemeinsam an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen, sind sich die drei SPD-Fraktionen einig. Seit Jahren arbeiten die sozialdemokratischen Ortsvereine und Fraktionen gut zusammen. „Gemeinsame Wanderungen wie unlängst auf den „Markgraf-Wilhelm-Wegen“, gemeinsame Radtouren entlang der „Tour de Murg“, Vor-Ort-Termine z.B. im Gewann „Holderwäldele“, Meinungsaustausche und Besprechungen wie zuletzt im Juli 2007 im Unimog-Museum zeugen von einem guten partnerschaftlichen Dreiecksverhältnis“, so der Kuppenheimer Gemeinderat Heinz Wolf.
Dass auch überfraktionelle Zusammenarbeit sachbezogen funktionieren kann, bewiesen zwölf Fraktionen in der Auseinandersetzung um den Antrag der Firma Kronospan zur Erweiterung der Spanplattenproduktion in Bischweier. 2005 haben alle Gemeinde- bzw. Ortschaftsratsfraktionen aus Kuppenheim, Bischweier, Muggensturm und Oberweier eine gemeinsame Umweltmeldung ans Landratsamt und Staatsministerium abgegeben. „So wie 2005 beim gemeinsamen Vorgehen gegen Kronospan, so müssen wir auch mit den anderen Fraktionen in Gaggenau, Kuppenheim und Bischweier ins Gespräch kommen und die anderen Fraktionen müssen ebenfalls miteinander kommunizieren, damit wir gemeinsam etwas für die Region bewirken können“, fordert der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kuppenheimer Gemeinderat Peter Müller eindringlich zum gemeinsamen Dialog auf.
Die derzeitige Funkstille zwischen den Verwaltungsspitzen in Bischweier und Gaggenau bzw. Kuppenheim und Gaggenau bereitet den Sozialdemokraten große Sorgen. Dabei gibt es durchaus positive Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Kommunen, z.B. beim Unimog-Museum oder bei zahlreichen Veranstaltungen der Kinderhilfsorganisation „terre des hommes“, die seit über dreißig Jahren unzählige Konzerte, Basare und Kinderfeste in allen drei Kommunen durchführte.
Wenn die Bürgermeister nicht mehr miteinander reden (wollen), dann müssen die Gemeinderäte initiativ werden. „Verloren gegangenes Vertrauen kann nur durch Gespräche zurückgewonnen werden“, so die Bischweierer Gemeinderätin Andrea Balduin-Schober. Es geht um die Zukunft des Vorderen Murgtals. Ohne die anderen Gemeinderatsfraktionen thematisch unter Druck setzen zu wollen, muss ein offener Dialog interkommunal geführt werden. „Eigenes Kirchtumsdenken sollte dabei zurückgestellt werden“, so der Gaggenauer Gemeinderat Gerd Pfrommer.
Unvoreingenommen und gemeinsam muss mit den anderen Fraktionen die wirtschaftliche, politische, kulturelle und touristische Weiterentwicklung des Vorderen Murgtals diskutiert werden. „Feindbilder“ und gegenseitige öffentliche Vorwürfe sind kontraproduktiv. Ein offener Dialog mit den Rathausspitzen und den Gemeinderäten der drei Kommunen könnte im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung erfolgen. Die Sozialdemokraten verweisen dabei auf positive Erfahrungen mit gemeinsamen Gemeinderatssitzungen in Kuppenheim und Bischweier. Sollten sich die Bürgermeister aus formalen Gründen gegen eine gemeinsame Gemeinderatssitzung stark machen, müsste auf informellen Wegen fraktionsübergreifend reagiert werden.
Handlungsbedarf sehen die Genossen vor allem in den Bereichen Interkommunales Gewerbegebiet, Zukunft der „Gesellschaft für kommunale Zusammenarbeit Murgtal“ (GKM), Wasser-, Gas- und Stromversorgung, Innenstadtentwicklung, Tourismus im Murgtal.